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Kinderarbeit - 68 Millionen Kinder auf der Welt arbeiten

G7-Gipfel auf Schloss Elmau 2015

Kinderarbeit - 68 Millionen Kinder auf der Welt arbeiten

Alle 15 Sekunden stirbt ein Mensch durch einen Arbeitsunfall oder eine berufsbedingte Krankheit. 68 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen in den reichen Ländern benötigten Hilfestellung, wie sie ihre Lieferketten nachhaltig machen. Die Verbraucher in den reichen Ländern hätten in der Hand, welche Produkte an den Markt gelangen.

Von der Bundesregierung sei kürzlich die Internetseite Siegelklarheit freigeschaltet worden. Verbraucher können sich dort anhand der Produktkennzeichnung Klarheit verschaffen, inwieweit Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden.

Die von Entwicklungs- und Arbeitsministerium vorgeschlagenen Maßnahmen sind in einem Zukunftspapier niedergelegt.



Bildung statt Kinderarbeit

"Transparenz ist der Schlüssel für faire Lieferketten", bekräftigte Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi. Die Komplexität großer Konzerne führe mitunter dazu, dass Herstellungswege - beispielsweise durch den Einsatz dubioser Sub-Firmen - gezielt verschleiert werden. Der Einsatz von Kinderarbeit habe aber in Lieferketten nichts zu suchen, mahnte er.

Bildung sei ein wichtiger Ansatz im Kampf gegen Kinderarbeit: "Denn wenn Kinder und Jugendliche eine gute Ausbildung erhalten, dann suchen sie gezielt nach besseren Chancen und sehen ihre Zukunft und die ihrer Familien nicht in Fabriken", sagte Satyarthi.

Menschenwürdige Arbeit weltweit

Zum Abschluss der Konferenz am 11. März sprachen sich Weltbankpräsident Jim Yong Kim, ILO-Generalsekretär Guy Ryder und OECD-Chef Angel Gurría dafür aus, besser zusammenzuarbeiten. Deutschland sei Vorreiter bei Arbeits- und Sozialstandards, es könne mit der G7-Präsidentschaft viel im Interesse der Ärmsten auf der Welt vorantreiben.

Die Menschen in den armen Ländern bräuchten dringend Arbeit mit guten Arbeits- und Sozialstandards sowie existenzsichernder Entlohnung, so Kim. Die Reformen für bessere Arbeitsbedingungen in Bangladesch seien ein Beispiel dafür, erklärte Ryder. Solche Beispiele müssten sichtbarer werden, um machtvolle Zeichen für andere Länder zu setzen. Die Konferenz könne starke Botschaften aussenden, sagte Gurría.

"Wir haben den Auftrag aus der Konferenz aufgenommen und werden unsere Ziele konkretisieren", sagte Nahles. Vor allem die Grundidee des "Vision Zero Fund" sei sehr akzeptiert. Bei den G7-Verhandlungen im Juni werde Deutschland die Vorschläge gut platzieren. Sie hoffe, dann im Herbst zur Umsetzung zu kommen.

Bild:
Andrea Nahles (SPD) 

Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Rechte: Dominik Butzmann

"Die Welt ist eine Welt - und unsere Verantwortung", so Müller. Die Industrieländer müssten ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen in Afrika und Asien gerecht werden. Für die globale Arbeitsteilung müsse es eine globale Ethik für menschenwürdige Arbeit geben. Dazu gehöre ein Menschenrechtsrat für Nachhaltigkeit und ein Weltzukunftsvertrag mit verbindlichen Zielen und Vereinbarungen für nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten.

Zwei Euro von der 100-Euro-Jeans

Am Beispiel einer Jeans, die jemand in Berlin für 100 Euro kauft, machte Minister Müller deutlich, wie viel Ungerechtigkeit bei der Produktion und weiteren Prozessen herrscht. Bei der Näherin in Vietnam oder Bangladesch blieben zwei Euro hängen. Sie bekomme in ihrem Land einen Stundenlohn von 15 Cent, von dem sie nicht einmal vollständig ihren Lebensunterhalt bestreiten könne. Deshalb brauche der Markt Regeln, so Müller.

Arbeitsministerin Andrea Nahles wies darauf hin, dass Grundregeln zwar bei der Internationalen Arbeitsorganisation ILO existierten, diese aber nicht ausreichend umgesetzt würden.

Beschäftigte müssen Rechte einklagen können

Die Beschäftigten, die derart ausgebeutet würden, hätten auch nicht genügend Handhabe, ihre Rechte einzuklagen, erklärte Nahles. An diesem Punkt setzen Maßnahmen an, die Deutschland imG7-Prozess weltweit stärker zur Geltung bringen möchte. Das sind ökologische und soziale Mindeststandards für jegliche Produktion - ob Öl, Kaffee oder Kleidung. Ziel ist, eine Charta für nachhaltiges Wirtschaften zu vereinbaren.

Für die Beschäftigten in den armen Ländern sollen Mechanismen zur Beschwerde und Schlichtung eingerichtet oder stärker etabliert werden. Ein globaler Fonds ("Vision Zero Fund") soll aus der Taufe gehoben werden, damit Sicherheitsstandards besser eingehalten werden. In den G7-Staaten soll dafür von Unternehmen und Organisationen Geld gesammelt werden, um Unfall-Versicherungen aufzubauen oder Brandschutzinspektoren auszubilden.

Kinderarbeit aus Sicht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert die Obergrenze für Kinderarbeit unter normalen Umständen als 15 Jahre (Mindestalter-Konvention 138). Obwohl Konvention 138 nur von etwa einem Viertel der ILO-Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde, ist diese Definition international anerkannt.[2]

Ein Kind wird als arbeitend bezeichnet, wenn es wirtschaftlich aktiv ist. Regierungen und internationale Organisationen behandeln eine Person üblicherweise dann als wirtschaftlich aktiv, wenn sie auf regelmäßiger Basis Arbeit verrichtet, für die sie entlohnt wird, oder die in Ergebnissen resultiert, die für den Markt bestimmt sind. Schätzungen zum Umfang der Kinderarbeit können sich stark erhöhen, wenn auch unbezahlte oder nicht auf den Markt gerichtete Arbeit berücksichtigt wird. So erhöht sich laut einer Studie zum Umfang der Kinderarbeit in Tamil Nadu im Jahr 1983 die Schätzung für den Anteil der 5-14-jährigen von 13 auf 33 %, wenn eine liberalere Definition als die der ILO verwendet wird.[2]

Dabei unterscheidet die ILO häufig zwischen "child work" und "child labor", wobei "child labor" den geringer geschätzten Teil von "child work" bezeichnet, während "child work" auch einfachere Hausarbeit umfassen und einen Lernwert haben kann.[2]

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) definiert Kinderarbeit als Tätigkeiten von unter 18-jährigen, die ihnen schaden oder sie am Schulbesuch hindern (KRK, Artikel 32).

 

 

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