LandesPressePortal - Aktuelle Politik Nachrichten

Serie - Mit offenen Karten - Katar, Regionalmacht mit globalen Ambitionen

Serie - Mit offenen Karten - Katar, Regionalmacht mit globalen Ambitionen

Der noch verhältnismäßig junge Staat Katar, der durch seine weltweiten Finanzinvestitionen von sich reden macht, möchte sich als Regionalmacht durchsetzen. Jean-Christophe Victor beschäftigt sich mit den mutmaßlichen Widersprüchen des reichen, konservativen und weltoffenen Landes. Katar bildet eine Halbinsel im Nordosten der Arabischen Halbinsel und ragt in den Persischen Golf hinein. Seine Nachbarn sind Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran am gegenüberliegenden Ufer des Persischen Golfes. Der Wüstenstaat ist mit 11.627 km2 kleiner als Schleswig-Holstein. Katar hat 2.334.000 Einwohner, von denen allein die Hälfte in der Hauptstadt Doha lebt. Die Bevölkerung weist zwei Besonderheiten auf: Zum einen kommen drei Männer auf eine Frau, das ist eins der unausgeglichensten Geschlechterverhältnisse der Welt. Zum anderen sind nur 12 % der Bevölkerung Katarer, 88 % sind Ausländer. Das Dukhan-Ölfeld an der Westküste der Halbinsel wurde 1939 entdeckt, aber erst zehn Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg, erschlossen. Damals war Katar ein britisches Protektorat, ebenso wie die acht anderen Emirate am Persischen Golf. Beherrscht wird Katar seit dem 19. Jahrhundert von der Familie Al Thani. 1971 zog sich Großbritannien aus den 9 Golfemiraten zurück und diese planten daraufhin die Bildung einer „Union der Vereinigten Arabischen Emirate“, aber Katar und Bahrain lehnten schließlich einen Beitritt ab. Dadurch erlangten letztendlich nicht einer, sondern drei Staaten die Unabhängigkeit: Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Katar verfügt über zahlreiche Erdöl- und Erdgasfelder, Öl- und Gas-Pipelines sowie Exportterminals. Die Erdölreserven Katars gehen inzwischen zur Neige und werden nur noch eingeschränkt gefördert. Allerdings verfügt das Land mit einem Anteil von 13,3 % auch über die weltweit drittgrößten Reserven an konventionellem Erdgas. Nordöstlich der Halbinsel befindet sich das größte Offshore-Gasfeld der Welt. Durch den raschen Anstieg der Erdgasproduktion und die hohen Gaspreise hat sich das Bruttoinlandsprodukt des Landes zwischen 2009 und 2014 verdoppelt – und das in einem Land mit wenig Einwohnern. Das erklärt, warum das BIP pro Einwohner in Katar nach Luxemburg und Norwegen das dritthöchste der Welt ist. Um das Kapital des Landes kümmert sich die Qatar Investment Authority über einen Staatsfonds. Die Strategie des Fonds besteht aus einer breiten Streuung der Investitionen, von der alle großen Wirtschaftsbereiche betroffen sind: Insgesamt hat Katar in etwa vierzig Ländern investiert. Und diese Investitionen verleihen dem Land politische und diplomatische Macht. Der 1996 gegründete Nachrichtensender Al Jazeera ist inzwischen über Kabel oder Satellit in arabischer und englischer Sprache in über 140 Ländern zu empfangen. In diesen Regionen kann der Sender über Satellit empfangen werden. Insgesamt kann sein Programm theoretisch in 270 Millionen Haushalten gesehen werden. 2011 spielte er bei der Verbreitung der Nachrichten vom Arabischen Frühling eine wichtige Rolle. Seine Berichterstattung wurde politischer, und er unterstützte die Forderungen nach dem Sturz aller arabischen Diktaturen, ohne aber die Revolution der Bevölkerung in Bahrain als solche zu bezeichnen. Die Rivalität zwischen den beiden Nachbarstaaten Saudi-Arabien und Katar ist einer der geopolitischen Reibungspunkte auf der Arabischen Halbinsel. So unterstützte 2013 nach dem Staatsstreich der ägyptischen Armee und dem Sturz der Regierung Mursi Saudi-Arabien die neue Regierung unter General al-Sisi, während Katar Muslimbrüder bei sich aufnahm. Saudi-Arabien fühlte seine regionale Vormachtstellung durch Katar und die Macht seiner Monarchie durch die Muslimbrüder bedroht und unterstützte deshalb die ägyptische Armee, um einer seinen Interessen zuwiderlaufenden Revolution entgegenzuwirken. Katar wiederum hoffte durch die Unterstützung der Muslimbrüder ein Bündnis mit Ägypten eingehen und seinen Einfluss in der Region ausweiten zu können.

 

Über die Sendung
Mit offenen Karten ist eine, vom Fernsehsender ARTE wöchentlich erscheinende Informationssendung, die historische, geopolitische und wirtschaftliche Sachverhalte - anhand von Karten - darstellt.

Das LandesPressePortal möchte Ihnen Inhalte der Serie zur Verfügung stellen und berichtet in wöchentlichen Abständen. 

Redaktion

Das LandesPressePortal (LPP) ist ein unabhängiges Presseportal für Parteien, Fraktionen und Ministerien in der Bundesrepublik Deutschland.

Um Presse-Meldungen auf dem LandesPressePortal zu veröffentlichen, senden Sie diese per Email (ggf. als Word-Dokument -Bitte kein PDF- und eventuell einem Bild im JPEG-Format mit mind. 1000 x 600 Pixel) an redaktion@landespresseportal.de. Grundsätzlich ist die Veröffentlichung von Presse-Meldungen auf dem LPP kostenlos. Die Redaktion bzw. der Seiteninhaber distanziert sich öffentlich und rechtlich von allen veröffentlichten Video- & Presse-Meldungen und den Ton-, Bild- & Logo-Rechten. Es spiegelt nicht die Meinung der Redaktion bzw. der Seitenbetreiber.

 

 

Weitere Videos der Redaktion

Ähnliche Artikel

  • Mit offenen Karten: Jemen
    Das LandesPressePortal stellt wöchentlich verschiedene Beiträge zur Verfügung, die vom Fernsehsender ARTE ausgestrahlt werden.    Als Präsident Saleh 2011 im Jemen im Zuge des arabischen Frühlings zurücktreten musste, galt das Land als Erfolgsbeispiel. Nur fünf Jahre später ist das Land vom Bürgerkrieg zerrüttet. "Mit offenen Karten" blickt auf die jüngste…
  • Serie - Mit offenen Karten - USA und China im Vergleich
    Serie - Mit offenen Karten - USA und China im Vergleich Die USA und China sind ungefähr gleich groß, aber in den USA leben 320 Millionen Menschen und in China 1,4 Milliarden, also mehr als viermal so viel. Eine hohe Bevölkerungszahl ist allerdings nicht unbedingt ein dauerhafter Vorteil, wichtiger ist…

Copyright © Landespresseportal.de. Alle Rechte vorbehalten.

Top Desktop version