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Frank-Jürgen Weise: Die Bundeswehr hat ihn geprägt

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Frank-Jürgen Weise, wird am heutigen Montag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Ehrenkreuz der Bundeswehr verliehen bekommen. Aus diesem Anlass hat die Redaktion der Bundeswehr mit dem langjährigen Soldaten und Oberst der Reserve ein Interview geführt.

Sie bekommen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Ehrenkreuz der Bundeswehr verliehen. Mit welchen Gedanken sehen Sie diesem Ereignis entgegen?

Ich freue mich sehr, dass sich die Ministerin persönlich die Zeit für diese Ehrung nimmt und über diese Auszeichnung der Bundeswehr. Diese Auszeichnung ist – offen gesagt – aber auch stellvertretend für alle engagierten und erfolgreichen Kameradinnen und Kameraden, die zurzeit in unserer Bundesagentur für Arbeit und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihren Dienst tun.

Vor Ihren Führungsaufgaben im zivilen Arbeitsleben waren Sie Soldat und sind heute Oberst der Reserve. Was hat Ihnen die Bundeswehr fürs Leben mitgegeben?

Mein Verständnis von Führung, meine Haltung und meine Einstellung ist wesentlich vom Dienst in unserer Bundeswehr geprägt. Damit meine ich die gute Lehre unserer Inneren Führung, unserem Land zum Schutz bis zur äußersten Konsequenz zu dienen und dabei gleichzeitig ein selbstbewusster, demokratischer Staatsbürger zu sein. Dazu gehört auch das, was wir Führungstechnik nennen. Eine klare, zielorientierte, konsequente und verlässliche Art, andere Menschen so zu führen, dass sie in der Aufgabe Erfolg haben können. Wichtig war für mich, in jungen Jahren bei all diesen sehr anspruchsvollen Themen, Erfahrungen zu sammeln und aus Erfolgen und Fehlern unter Anleitung guter Vorgesetzter lernen zu können.

Mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Bundesagentur für Arbeit führen Sie zwei Riesenbehörden – wie ist das zu schaffen?

Die Aufgabe bei der Bundesagentur für Arbeit und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bewältige ich in einem Team erstklassiger Kolleginnen und Kollegen und dabei auch mancher Kameradinnen und Kameraden. Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von Respekt und Vertrauen und im besten Sinne durch das, was wir im militärischen Bereich „Auftragstaktik“ nennen. Wir haben ein recht klares Lagebild, messbare Ziele und stimmen uns ab, auch wenn wir uns nicht laufend sehen, um den jeweiligen Beitrag zur Zielerreichung zu leisten. Ich bin begeistert darüber, wie leistungsfähig der öffentliche Dienst gegenüber den Bürgern, überhaupt den Menschen sein kann, die diese hohen Standards erwarten können. Ich freue mich auch über die erkennbare Unterstützung vieler Politiker für unsere Aufgabe.

Wie bewerten Sie das Engagement der Bundeswehr bei der Flüchtlingshilfe?

Der Beitrag der Kameradinnen und Kameraden kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ob in der Koordination dieser Herausforderung in den regionalen und überregionalen Krisenstäben, ob in Zivil an den Schreibtischen des BAMF oder direkt vor Ort in den Not- und Gemeinschaftsunterkünften: die Bundeswehr hat in einer schwierigen Zeit wieder gezeigt, dass sie auch kurzfristig im eigenen Land einspringt, wenn die Not groß ist. In allen Besprechungen zum Flüchtlingsmanagement wird mindestens einmal parteiübergreifend der Einsatz der Soldatinnen und Soldaten und das professionelle Management gelobt.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Konsequenzen für die Bundeswehr aus der von Ihnen geleiteten und nach Ihnen benannten Weise-Kommission?

Es gibt viele wichtige Konsequenzen aus den Entscheidungen des Gesetzgebers, die aus der Kommissionsarbeit abgeleitet sind. Eine sicher einschneidende Folge ist die Aussetzung der Wehrpflicht. Sie sorgt zum einen dafür, dass die Bundeswehr sich wie jeder Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt mit den Themen Rekrutierung und Arbeitgeberimage beschäftigen und an sich arbeiten muss, um im Wettbewerb zu bestehen. Zum anderen müssen wir sehr darauf achten, das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform zu bewahren und zu befördern. Auch andere Punkte des Kommissionsberichts sind von großer Bedeutung, zum Beispiel die Neuorganisation des Rüstungsmanagements. Soldaten im Einsatz wollen die Gewissheit haben, mit erstklassiger Ausrüstung ausgestattet zu sein. Leider wird erst jetzt und damit sehr spät dieser Bereich neu organisiert, so dass er erfolgsfähiger wird.

Sie sind Deutschlands oberster Flüchtlingshelfer – welche Erfahrungen aus der Bundeswehr kommen Ihnen jetzt zugute?

Da vermischen sich sicher Erfahrungen aus meinen verschiedenen Managementaufgaben mit Prägungen aus dem Militär. Grundsätzlich ist es mir wichtig, zunächst einmal Klarheit und Transparenz zu schaffen, bevor ich entscheide. Wenn Sie so wollen, geht es um ein genaues Lagebild und dann um klare Aufträge, in deren Rahmen meine Leute und ich zielgerichtet agieren. Auch neige ich dazu, angesichts der großen Aufgabe und des hohen Handlungsdrucks klar zu priorisieren. Letztlich geht es wieder um den Schutz von Menschen und den Erhalt von Rechtsstaatlichkeit. Das bewegt uns alle, die in der Verantwortung stehen, zu guten Leistungen.

Redaktion

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