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Erkenntnislücken beim Corona-Impfstoff

Aussagen von Herrn Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig über die aktuelle Lage bezüglich der Impfstoffe von Covid-19

 

Herr Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, was wissen wir nicht über die Impfstoffe?

 

Gut, die Frage ist natürlich relativ einfach zu beantworten. Wir wissen nicht, die genauen Daten / Auswertungen. Normalerweise, wenn man einen neuen Wirkstoff zulässt, dann werden klinische Studienergebnisse publiziert, die für die Ärzte, für die Patienten, für die Probanden, dann auch einsehbar sind. In der aktuellen Situation ist das wir uns auf Pressemitteilungen der Hersteller verlassen müssen. Wir haben keine Vollpublikationen. Wir haben keine Garantie, dass diese Ergebnisse dann von unabhängigen Gutachtern auch bewertet wurden, und von diesen Hintergrund bin ich natürlich auch in gewisser Weise optimistisch, dass diese Impfstoffe mittelfristig eine Lösung bieten, für die derzeitige Pandemie. Aber ich denke, damit wir die Impfbereitschaft auch adäquat steigern können, brauchen wir unbedingt alle Daten, auch für die Ärztinnen und Ärzte, die dann mit ihren Patienten die Gespräche führen. Und natürlich Vertrauen in die Sicherheit und vor allen Dingen auch in die Wirksamkeit dieser Impfstoffe wecken müssen. Das ist im Augenblick außerordentlich schwierig, da diese Daten für uns nicht zugänglich sind. 

 

Herr Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, was wissen wir über diesen Impfstoff?

 

Ich möchte auch noch einmal daran erinnern, auch vor dem Hintergrund der verpflichtenden Impfung, das ist für mich im Augenblick vollkommen unverständlich. Wir haben keine vernünftigen Angaben zu den eingeschlossenen Probanden, wir wissen nicht ganz genau, wie viel ältere Patienten oder Probanden mit Begleiterkrankungen, also Risikopatienten, sind in diesen Studien untersucht worden. Wir wissen nichts dazu, wie lange diese Immunität anhält. Wir wissen relativ sicher, dass eine sogenannte sterile Immunität, das heißt, dass diejenigen, die sich impfen lassen, dann die Infektion nicht mehr weitergeben, wahrscheinlich im Augenblick gar nicht erreichbar ist. Von daher ist das ein wichtiger Faktor. Ich will vielleicht noch einmal daran erinnern, es gibt zwei Ziele bei diesen Impfungen. Das erste Ziel ist eindeutig, dass man sich selbst vor schweren Verläufen von Covid-19 schützt. Das können wir im Augenblick nicht sagen, weil wir dazu keine Angaben haben. Und das zweite Ziel ist, dass wir eine sogenannte Herdenimmunität induzieren, das heißt, dass also etwa zwei Drittel der Bevölkerung dann immun sind, und dadurch die Pandemie zum Stillstand kommt. Wenn wir diese Daten etwas genauer haben, dann ist es sicherlich vertretbar, dass man auch irgendwann mal über eine Impfpflicht diskutiert. Angesichts des sehr lückenlosen Standes unseres Wissens, zur jetzigen Zeit über eine Impfpflicht zu diskutieren, halte ich, aus medizinischer / ärztlicher Sicht, für nicht akzeptabel. Und ich will noch einmal daran erinnern, es ist entscheidend, dass wir unsere Impflinge dann gründlich informieren, dazu brauchen wir die Daten. Und allein zu sagen, die Zulassungsbehörden in Europa, oder in Amerika, werden es schon richten, ist für mich nicht ausreichend. Wir sind im beschleunigten Verfahren, so wie wir sie auch bei beschleunigten Verfahren für Arzneimittel kennen, und wir wissen, dass wir im Rahmen dieser beschleunigten Verfahren häufig erhebliche Erkenntnislücken haben, zum Zeitpunkt der Zulassung. Und von daher würde ich ganz eindeutig sagen, und das ist auch die Mehrheit in Deutschland, der Mediziner, eine Impfpflicht, vor dem Hintergrund dieser noch sehr wagen Daten für uns, die wir nicht einmal in einer wissenschaftlichen Publikation überprüfen können, ist in keiner Weise akzeptabel. Das müssen wir unseren Patienten auch ehrlich sagen.    

 

Über langfristige Nebenwirkungen auch bei vulnerablen Patienten

 

Es wurde vollkommen zu Recht gesagt, dass wir natürlich die besonders vulnerablen älteren Patienten mit Begleiterkanungen zunächst impfen sollten, das ist absolut richtig, das sehe ich genau so. Leider wissen wir nur gar nicht, ob diese sehr vulnerabeln Patienten mit einem geschwächten Immunsystem in ausreichender Zahl in den Studien untersucht wurden, das heißt, wir werden wahrscheinlich ältere Leute impfen, ohne sicher sein zu können, welche Wirksamkeit und welche Sicherheit der Impfstoff gerade in dieser so wichtigen Population hat. 

 

Das Interview wurde durchgeführt durch den ORF2 und ausgestrahlt am 29. November 2020. 

Redaktion

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