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Multiresistente Keime auch in Bremer Gewässern?

Nachdem bei Stichproben in niedersächsischen Flüssen, Bächen und Seen multiresistente Keime gefunden wurden, will die Grünen-Fraktion mit einer Kleinen Anfrage (s. PDF-Anhang) nun Aufklärung über eine mögliche Gewässerbelastung in Bremen und geeignete Gegenmaßnahmen erreichen. Die Ergebnisse haben Fachleute alarmiert, weil in nahezu der Hälfte der Proben auch Bakterien mit sog. mcr-1-Genen gefunden wurden. Diese sind u.a. gegen das wichtige Reserve-Antibiotikum Colistin resistent. Colistin wird von MedizinerInnen nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt, bei Bakterien mit dem mcr-1-Gen wirkt es aber nicht mehr. Besorgniserregend ist zudem, dass die Keime sich über das Wasser in der Umwelt ausbreiten können. Auch Tiere wie Vögel, Ratten oder Hunde können sie weitertragen. Gerade nach dem Keim-Skandal im Klinikum Mitte, so die Fraktionsvorsitzende Maike Schaefer, muss Bremen besonders auf der Hut sein: „Die Ausbreitung von multiresistenten Keimen ist ein ernstes Problem, weil dadurch Antibiotika zunehmend unwirksam werden. Die Belastung niedersächsischer Gewässer mit gefährlichen Keimen muss hellhörig machen. Sie können insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwere Infektionen auslösen. Wir wollen deshalb geprüft wissen, ob die regelmäßige Kontrolle der Bremischen Seen und Flüsse auf multiresistente Keime in die Badegewässerordnung aufgenommen werden kann. Außerdem muss eine zusätzliche Reinigungsstufe für die Kläranlagen erwogen werden.“

Neben der Reaktion auf die Untersuchungsergebnisse fordert die Grünen-Fraktion aber auch, die Ursachen für die Verbreitung multiresistenter Keime zu bekämpfen. Dazu gehört u.a. die industrielle Massentierhaltung, wie der agrarpolitische Sprecher Jan Saffe betont, der auch im Untersuchungsausschuss zum Keim-Skandal saß: „Überall, wo viele Antibiotika eingesetzt werden, entstehen auch resistente Erreger. Gerade in der industriellen Tiermast wird das Reserve-Antibiotikum Colistin in großen Mengen verwendet. Aus den Mastzuchtanlagen können die multiresistenten Erreger in die Umwelt gelangen. Das ist ein krankes System, das über das Billigschnitzel hinaus negative Folgen für die Gesundheit der Menschen hat. Was vor rund hundert Jahren, als das Penicillin entdeckt wurde, ein Segen für die Menschen war, wird durch den Missbrauch durch Menschen immer mehr zum Fluch. Wir sind dabei, die einstige Wunderwaffe Antibiotika endgültig stumpf und wirkungslos zu machen.“

Redaktion

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