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Suchtforschung: CDU-Fraktion führt unseriöse Scheindebatte

(LPP) Die CDU-Fraktion lobt die angebliche unstrittige erfolgreiche Arbeit des Deutschen Instituts für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters (DKSKJ) und behauptet, dass das Institut durch die geplante Kürzung der Grundfinanzierung vor dem Aus stehen würde. Nach Auffassung von Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, führt die CDU eine unseriöse Scheindebatte: Aufgrund von Drittmitteln und der Finanzierung durch das UKE droht dem Institut nicht das Aus - es werde nur die nicht nachvollziehbare finanzielle Bevorzugung des DKSJ gegenüber anderen Suchtforschungseinrichtungen beendet. Außerdem gäbe es auch viel Kritik an den Methoden des DKSKJ und an dem über das Zentrum erstellten Gutachten. Dies alles verschweigt die CDU.

„Die CDU führt nachhaltig und wider besseren Wissens eine Scheindebatte. Das Gutachten über die Arbeit des DZSKJ wird in der Expertenwelt äußerst kritisch diskutiert. Im so genannten Addendum, dem Nachtrag, in dem andere Fachleute die Evaluation kritisch hinterfragen, werden äußerst unbefriedigende Ergebnisse des Zentrums festgestellt“, sagt Artus. „Dass die völlig ungerechtfertigte Bevorzugung eines Institutes vor den anderen langsam beendet wird, ist völlig in Ordnung. Wir benötigen hingegen mehr Gelder im Suchtbereich -  in der Suchthilfe und in der Suchtselbsthilfe. Wir brauchen sie dort, wo es keine Finanzierung durch das UKE gibt und wo die Betroffenen keine Drittmittel einwerben können. Die Linksfraktion favorisiert diesen Ansatz und wird dafür streiten, dass die Schwerpunkte in der Sucht- und Drogenpolitik entsprechend vertieft werden.“

Die Fortbildungsveranstaltungen des DKSKJ sind nicht ausgesprochen gut besucht. 2009 wurden von 32  Seminaren nur 21 besucht, wobei zwischen zwei und zehn Personen teilnahmen. Da je nach Veranstaltung nur 0 bis 33 Prozent der Teilnehmenden aus dem schulischen Bereich kam, müssen auch die Autoren der Evaluation eingestehen, dass dies nicht befriedigend ist.

Der Leiter des Zentrums, Herr Professor Thomasius, ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Nichtrauchen ist cool“. Dieser Verein führt am UKE seit 2005 so genannte Aufklärungsveranstaltungen für Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 7 durch, bei denen unter anderem abschreckende Bilder zum Beispiel von Lungenspiegelungen und Raucherbeinen gezeigt werden. Ob diese Methode, die der schwarzen Pädagogik der 70er Jahre entlehnt ist, mit dem Aktualitätsanspruch der Suchtforschung vereinbar, darf bezweifelt werden. Professor Resch, Verfasser des Gutachtens, lobt den Mehrwert dieses Projektes ausdrücklich. Erst durch die Nachfragen im Addendum wird deutlich: Das Projekt ruht seit 2009, weil keine geeigneten Kooperationspartner an Schulen gefunden werden können. Die Auswertung des Projektes „Nichtrauchen ist cool“ ist keineswegs abgeschlossen.

Auch dem vertraglich verpflichteten Qualitätsvergleich mit dem bereits evaluierten Entwöhnungskurs des Sucht-Präventions-Zentrums am Landesinstitut für Lehrerbildung hat sich das Programm bisher nicht gestellt. Dieser soll nämlich helfen, über eine parallele oder integrierte Fortsetzung beider Kurse oder die  Beendigung eines Kursangebotes zu entscheiden.

Es ist falsch, dass ohne die Bereitstellung einer soliden Grundfinanzierung die Aufrechterhaltung der Arbeit des Zentrums in Frage gestellt ist. Das Zentrum hat laut Evaluation Drittmittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro eingeworben. Laut Professor Resch gibt es keine Institution im Bereich der Suchtforschung des Kindes- und Jugendalters, die ähnliche Drittmitteleinwerbungen aufweist. Wenn eine Forschungseinrichtung so erfolgreich ist, braucht sie keine Basisfinanzierung. Zudem übernimmt das UKE jährlich 340.000 Euro für Raum- Sach- und Personalkosten. Das DZSKJ wurde von der Stadt fünf  Jahre lang jeweils mit 288.000 Euro finanziert. Kaum ein Forschungsinstitut kann auf eine solch umfangreiche Anschubfinanzierung zurückgreifen. Die meisten Institute müssen ganz ohne  staatliche Mittel auskommen.

Artus nennt die hohe Qualität der beiden anderen Suchtforschungsinstitute in Hamburg, das Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung  (ZIS) und das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), die keinerlei Basisfinanzierung von der Stadt bekämen und trotzdem in der Lage sind, viele Projekte durchzuführen, einen hohen wissenschaftlichen Output zu generieren und erfolgreiche Kooperationen zwischen Forschung und Praxis zu gewährleisten. Beispielhaft sei hier der Kooperationsvertrag zwischen dem ZIS, dem ISD, dem Büro für Suchtprävention und dem Suchtpräventionszentrum am Landesinstitut für Lehrerbildung genannt.

Martin Bialluch
Pressesprecher
DIE LINKE. Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft
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