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Studieren ohne Abitur wird in Hamburg zum Auslauf- statt Zukunftsmodell

(LPP) Hamburg war lange führend, was die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschule betrifft. Doch davon ist anscheinend nicht mehr viel übrig, wie aus einer Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE hervorgeht. Der Senat verfügt über so gut wie keine Zahlen darüber und verweist auf lediglich jeweils zwei Studiengänge an der HCU und TUHH, in denen der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur zwischen 0,3% und 1,92 % des jeweiligen Studiengangs - nicht des gesamten Hochschule - liegt. Und das, obwohl die Hamburgische Bürgerschaft 2010 ein Gesetz zur Verbesserung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte beschlossen hat. Passiert ist seitdem offensichtlich nichts.

Zur Erinnerung: Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 17. Oktober 2008 beschlossen, den Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Studienbewerberinnen und -bewerber - außer an künstlerischen Hochschulen - weiter zu öffnen und im Bundesgebiet zu vereinheitlichen. Ausgangspunkt war, dass Studierende ohne Abitur im Vergleich zum europäischen Ausland in Deutschland die Ausnahme darstellen. In vielen EU-Staaten hat der Anteil der Studierenden ohne Hochschulzugangsberechtigung die 10%-Marge bereits überschritten, wohingegen Deutschland immer noch an der 2%-Marke im Verhältnis zur gesamten Studierendenschaft verharrt, wie der Bildungsbericht 2012 erst kürzlich belegte.

Die Hamburgische Bürgerschaft hat am 1. Juli 2010 ein Gesetz zur Verbesserung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte beschlossen und damit rein formal das Hamburgische Hochschulgesetz dem Beschluss der Kultusministerkonferenz angepasst. Die Neuregelungen umfassen u.a., dass Meisterinnen und Meister, Fachwirtinnen und Fachwirte sowie Inhaberinnen und Inhaber gleichwertiger Fortbildungsabschlüsse künftig dem Abitur als gleichwertig festgeschrieben wurden und sie dadurch eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erhalten. Ausdrücklich heißt es in dem Einleitungstext des Gesetzes: „Einer gesonderten Eingangsprüfung bedarf es nicht mehr.“

In den Beratungen hatte die Bürgerschaft den Senat ersucht, gemeinsam mit den staatlichen Hamburger Hochschulen Konzepte zu entwickeln, die dazu führen, dass die Zahl der Studierenden „mit einem besonderen Hochschulzugang“ in der Breite der Studiengänge deutlich zunimmt. “Wie so oft im Parlamentarismus – mit der Verabschiedung einer Drucksache wird der Gegenstand oft aus den Augen verloren und gilt als erledigt. Das scheint aber bei Weitem nicht der Fall zu sein“, kritisiert Dora Heyenn, hochschulpolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende. „Ich wollte mit der Anfrage herausfinden, wie sich der Anteil der Studienanfänger ohne schulische Hochschulberechtigung seither im Verhältnis zur Gesamtzahl der Studienanfänger bis zum Sommersemester 2012 entwickelt hat. Nicht nur dass die bruchstückhafte Antwort eine Frechheit ist, sie zeigt auch, dass außer Ankündigungen nichts passiert ist.“

Dabei war Hamburg lange führend, was die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschule betrifft. Bereits 1997 hat die Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) 508 StudienanfängerInnen aufgenommen, von denen rund 40% kein Abitur besaßen. Nachdem diese Hochschule durch den CDU-Senat in die Universität ‚integriert’ wurde, ging es mit dem Hochschulzugang für Berufstätige kontiniuierlich zurück. So bewarben sich an der Uni Hamburg im WS 2009/2010 insgesamt 186 Personen ‚mit einem besonderen Hochschulzugang für Berufstätige’ um einen Studienplatz und 156 wurden angenommen.

„Den Anteil kann man nur noch in Promille ausrechnen. Daran hat sich offenkundig nichts geändert. Das ist wohl der Grund, warum der Senat so gut wie keine Zahlen präsentieren kann und verweist lediglich für die HCU und die TUHH auf sage und schreibe jeweils zwei (!) Studiengänge, in denen der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur von 0,3% bis 1,92 % rangiert – bezogen auf den jeweiligen Studiengang, nicht auf die Gesamt-Studierendenzahl. Der Senat drückt sich vor seinen Aufgaben. Der Senat lässt die Hochschulen und die beruflich Qualifizierten im Stich. DIE LINKE wird hier nachhaken“, so Dora Heyenn.

Martin Bialluch
Pressesprecher
DIE LINKE. Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft
Rathausmarkt 1
20095 Hamburg
Telefon: 040 / 42831-2445
Telefax: 040 / 42831-2255
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