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Probleme der Beschäftigten in der Callcenter-Branche ernst nehmen

Zum Antrag auf der kommenden Landtagssitzung „Neue Impulse für ‚Gute Arbeit‘ in den Servicecentern des Landes setzen“ erklärt der arbeitsmarkt- und gewerkschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:

 

Die Linksfraktion engagiert sich seit Jahren gemeinsam mit den Gewerkschaften für gute und gut bezahlte Arbeit. Dies gilt selbstverständlich auch für die Servicecenter-Branche mit ihren rund 12 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in M-V.

 

Immer noch sind die Rahmenbedingungen in den 78 Betrieben hierzulande problematisch. Oft treffen niedrige Löhne und Teilzeitbeschäftigung zusammen. Mit rund 19 600 Euro durchschnittlichem Jahreseinkommen rangiert Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich an letzter Stelle. 

 

Auch die Arbeitsbedingungen sind teilweise noch weit von guter Arbeit entfernt. Umfragen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ergaben, dass eine Vielzahl der Beschäftigten über hohen Druck, steigende Anforderungen und schlechte Bedingungen klagt. In der Folge herrscht mit 30,2 Fehltagen branchenübergreifend der höchste Krankenstand, der 10 Tage über dem Durchschnitt von 20,5 Tagen liegt. Laut Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse gibt es in der Branche mit 2,8 Tagen pro Jahr auch die meisten Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Dennoch müssen Betriebsräte beklagen, dass die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung immer nochstiefmütterlich behandelt wird.

 

Die Sorgen und Probleme der Beschäftigten dürfen nicht einfach ignoriert werden – auch nicht von der Landesregierung. Deshalb fordern wir neue Impulse für gute Arbeit in den Servicecentern des Landes. Wir wollen, dass dieArbeitsschutzbehörden künftig einen Schwerpunkt bei den Gefährdungsbeurteilungen setzen. Darüber hinaus sollen die Förderbedingungen für die Ansiedlung oder Betriebserweiterung von Servicecentern dahingehend überprüft werden, ob soziale Kriterien und Vorgaben zur tariflichen Entlohnung Aufnahme finden können.

 

Zudem geht es uns darum, durch Zertifizierungen einheitliche Standards zu schaffen. Moderne Technik, schmale Prozesse, gute Erreichbarkeit und hohe Qualität sind wichtig für Servicecenter, um am Markt konkurrenzfähig zu sein.Arbeits-, Gesundheits- und Datenschutz gehören im Interesse von Beschäftigten und Unternehmen aber ebenso dazu. Daher regen wir an, mit Gewerkschaften, Betriebsräten, Callcenter-Verband und Telemarketinginitiative darüber zu diskutieren, ein Landesgütesiegel für Servicecenter in Mecklenburg-Vorpommern auf den Weg zu bringen.

 

Dieses könnte zur Imageverbesserung beitragen und würde somit die Mitarbeitergewinnung und -bindung unterstützen. Perspektivisch sollte auch die europäische Servicecenternorm EN 15838 um ein Modul, das gute Beschäftigungsbedingungen definiert, ergänzt werden.

 

Nicht zuletzt stehen die Arbeitgeber in der Pflicht, endlich einen tariffähigen Arbeitgeberverband zu gründen. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes kann nur der Anfang und darf nicht das Ende der Bemühungen um gute Arbeit und gute Arbeitsbedingungen sein. Ein Tarifvertrag böte die Möglichkeit Fragen der Eingruppierung, der Wochenarbeitszeit, der Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit sowie des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu regeln.

 

Ohne Arbeitgeberverband bleibt den Gewerkschaften nur der zähe Weg von Haustarifverhandlungen. Wie schwer sich dies selbst bei vergleichsweise hohem Organisationsgrad darstellt, zeigt das Beispiel von Sky Deutschland. Seit Monaten verweigert sich die Geschäftsführung jedem Gespräch mit der ver.di-Tarifkommission und will den Konflikt aussitzen.

 

Wir sind überzeugt, dass ein Paradigmenwechsel erforderlich ist. Ändert sich nichts, werden die Servicecenter künftig Probleme bekommen, ihren Personalbedarf zu decken. Bundesweit 6000 offene Stellen zum Jahresende 2015 undFluktuationsraten von bis zu 20 Prozent sind bereits deutliche Signale. „Gute Arbeit muss daher endlich als Chance begriffen werden, von der Beschäftigte und Unternehmen der Branche profitieren können.

Redaktion

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