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Wir brauchen eine ökologische Agrarwirtschaft

„Jedes Jahr sterben weltweit – in steigendem Maße – 
Menschen an Infektionen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Wenn gegen 
diesen Umstand nicht schnellstens etwas unternommen wird, könnten nach 
einer Studie des Universitätsklinikums Berliner Charité im Jahr 2050 
weltweit mehr Menschen an Antibiotika-resistenzen sterben als an Krebs.“ 
so der Europaabgeordnete der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), 
Prof. Dr. Klaus Buchner, auf der FAIRFRIENDS am Sonntag in Dortmund in 
den Westfalenhallen. „In Europa ist die Todesrate durch 
Antibiotikaresistente Keime doppelt so hoch als die Zahl der 
Verkehrstoten.“

Die breite Anwendung von Antibiotika in der industriellen Landwirtschaft 
führt zu einer steigenden Zahl von multiresistenten Keimen. (MRSA – 
Methicillin resistenter Staphylococcus aureus). „Multiresistente Keime 
aus der Landwirtschaft werden in Besorgnis erregendem Ausmaß auf den 
Menschen übertragen. Dadurch werden unsere Antibiotika zunehmend 
wirkungslos“, so Prof. Buchner.

„In der Massentierhaltung werden große Mengen Antibiotika vorbeugend 
eingesetzt. Wegen der nicht artgerechten Tierhaltung würden die Tiere 
ansonsten krank werden. Die dadurch entstehenden multiresistenten Keime 
gelangen über die Gülle auf die Felder und damit ins Grundwasser“, klärt 
der ÖDP-Politiker auf. Ein Mensch, der mit einem solchen Keim besiedelt 
ist, zeigt in der Regel keine Krankheitssymptome. Überträgt er diesen 
Keim auf einen kranken oder geschwächten Menschen, führen solche 
Infektionen immer häufiger zu Multiorganversagen mit Todesfolge. Da 
diese Folgen überwiegend in Krankenhäusern und medizinischen 
Einrichtungen auftreten, werden diese Erreger oft als „Krankenhauskeime“ 
bezeichnet.

Die verantwortlichen Politiker verschließen vor dieser Problematik die 
Augen. Sie unternehmen viel zu wenig; viele aus Ahnungslosigkeit, viele 
vor allem aus Gründen des wirtschaftlichen Profits in ihrer Region und 
aus Sorge um die Arbeitsplätze.

„Wir brauchen einen Lösungsweg hin zu einer ökologischen 
Agrarwirtschaft.
Und diesen Weg müssen Politik, Landwirtschaft und Verbraucher gemeinsam 
gehen“ so Prof. Dr. Buchner. „Wir müssen weg von gigantischen 
Monokulturen, Agrochemikalien und Gentechnik. Wir müssen auch weg von 
der industriellen Massentierhaltung. Mensch, Tier und Umwelt müssen der 
Maßstab sein und nicht der Profit der Großkonzerne.“

Der Europaabgeordnete kritisierte die EU-Agrarpolitik heftig.  Über 55 
Milliarden Eu-ro, das entspricht rund 40 Prozent des EU-Budgets, fließen 
in die Agrarwirtschaft. Am 1. Juni 2018 hatte Phil Hogan, der 
EU-Agrarkommissar, seine Reform der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) 
vorgestellt. „Darin will er die landwirtschaftliche Produktion in Europa 
noch mehr auf den Export, d.h. auf industrielle Massentierhaltung und 
Agrochemie ausrichten.“ So Buchner. Nachhaltige Landwirtschaft und gute 
Tierhaltung spielten kaum noch eine Rolle.

Dabei erfolge in Deutschland eine Nahrungsmittelüberproduktion.  Mensch, 
Tier und Umwelt werden durch diese Überproduktion noch mehr als ohnehin 
geschä-digt.  Der Exportmarkt in Deutschland wachse jährlich und damit 
auch die Massen-tierhaltung in Deutschland. 740 Tonnen Antibiotika 
werden hierfür verfüttert. Alleiniges Ziel dieser Agrarpolitik ist die 
Maximierung der Gewinne großer Nahrungsmittel-Hersteller.

„Wir haben auch ein massives Problem durch zu hohe Nitratwerte durch 
Überdün-gung und Gülle.“ so Buchner. Auch hier geht es ausschließlich um 
den ökonomischen Profit von Großbetrieben.

Die ÖDP setze sich dagegen für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft 
ein, von der nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verbraucher 
profitierten.

„Mitteilungen, nach denen der Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft 
verringert wurde, sind irreführend. Es werden von den Tierärzten zwar 
geringfügig weniger Tonnen Antibiotika verschrieben, dafür setzen sie 
nun aber hochwirksame Breitband-Antibiotika ein, welche viel stärker 
wirken“, so der Europaabgeordnete.

Der ÖDP-Politiker fordert ein Umdenken in Politik und Gesellschaft.
„Es ist ein grundsätzliches Umdenken und gemeinsames Handeln aller 
erforderlich. Auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, 
Kliniken und Kantinen sollten weiter beispielhaft vorangehen und die 
Produkte aus lokalen bäuerlichen Betrieben unterstützen, um die 
Nachfrage anzukurbeln. Der Verbraucher muss außerdem durch eine 
gesetzlich detaillierte und transparente Kennzeichnungspflicht für alle 
Tierprodukte genau ins Bild gesetzt werden, was er einkauft und unter 
welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Dies muss über ein für alle 
EU-Staaten verbindliches Siegel geschehen. Nur so kann er bewusster 
handeln und sollte dies auch zu seinem eigenen Vorteil tun.“ so Buchner. 
Die Politik dürfe die Verantwortung nicht zum Verbraucher abschieben, 
sondern sie ist in der Pflicht, neue Rahmenbedingungen für eine gesunde 
Nahrungsmittelerzeugung festzulegen.

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