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Einweihung der neugestalteten Gedenkstätte in Breitenfeld

Am heutigen Samstagvormittag wurde im Ortsteil Breitenfeld der Hansestadt Gardelegen die neugestaltete Gedenkstätte für die auf dem über Breitenfeld führenden Todesmarsch ermordeten KZ-Häftlinge mit einer Feierstunde eingeweiht. Die Initiative für die Neugestaltung ging vom Förderverein der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe aus. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, war vom Verein gebeten worden, aus diesem Anlass eine Gedenkrede zu halten.

 

In seiner Rede ging Erben auf die grausamen Verbrechen im April 1945 ein und unterstrich,  welche Verpflichtungen für die heutigen und zukünftigen Generationen hieraus erwachsen:

 

„Der historische Stellenwert der Todesmärsche, der dabei begangenen Morde und Misshandlungen und schließlich des Massakers in der Feldscheune Isenschnibbe liegt darin, dass in der Endphase des NS-Regimes unter dem Druck der vorrückenden Alliierten das System der Vernichtungslager sowie der ,Vernichtung durch Arbeit‘ endgültig im Kerngebiet des Deutschen Reiches ankam und für jedermann sichtbar wurde.

 

Wir kommen heute in einer politischen Situation - national wie international - zusammen, die tagtäglich zeigt, wie wichtig die Erinnerung an die Verbrechen von Diktatur, Raubkrieg und Vernichtungspolitik ist.

 

Auch in unserem Bundesland reden Abgeordnete im Parlament wieder von ,Volksgemeinschaft‘ und ,Wucherungen am deutschen Volkskörper‘ oder verlassen die Sitzung in NSDAP-Manier. Sie wollen andersdenkende junge Leute in Arbeitslager und Homosexuelle ins Gefängnis sperren.

 

In Mecklenburg-Vorpommern träumt ein AfD-Abgeordneter gar davon, politische Gegner (er nennt sie ,Geschmeiß‘) ,aufs Schafott zu schicken. Und dann das Fallbeil hoch und runter, dass die Schwarte kracht!‘

 

Ich höre in den letzten anderthalb Jahren oft den Satz: ,Die Demokratie muss das aushalten.‘ Nein, eine wehrhafte Demokratie muss, sie darf es nicht aushalten. Verfassung und Rechtsordnung, Justiz und Polizei sind dafür da, die Grundfreiheiten, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Sie sind die Zähne, die der demokratische Staat gelegentlich zeigen muss, wenn seine Gegner ihn aushebeln wollen.

 

Beim Eintreten für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat steht jedoch die Zivilgesellschaft an vorderster Stelle. Das Engagement für die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe und auch die Gedenkstätte hier in Breitenfeld ist ein solches Engagement der Zivilgesellschaft. Für sich genommen sicher nur ein kleiner Baustein, aber ungemein wichtig.

 

Hier in der Gedenkstätte Breitenfeld wird uns die Ungeheuerlichkeit der Todesmärsche verdeutlicht. Es ist wichtig, dass es solche authentischen Orte zum Innehalten, Trauern und Gedenken gibt. An einem Ort wie diesem wird uns in großer Klarheit bewusst, dass es in der Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte niemals einen Schlussstrich geben kann.

 

Wir wissen alle: Die schreckliche Vergangenheit können wir nicht umkehren. Und wir können auch die nachfolgenden Generationen nicht für die Verbrechen verantwortlich machen. Für den Umgang mit dieser Geschichte aber schon. Wir alle tragen Verantwortung dafür, das Gedenken an die Opfer wach zu halten.“

 

Hintergrund:

 

Am frühen Morgen des 9. April 1945 kamen auf den Bahnhof in Mieste zwei Güterzüge mit KZ-Häftlingen zum Stehen. Einer der Züge kam aus dem Konzentrationslager Hannover-Stöcken. Der zweite Zug kam aus dem Südharz. Die Häftlinge stammten aus Außenlagern des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei Nordhausen.

 

Die Züge konnten die Bahnstrecke in Richtung Gardelegen nicht mehr passieren. Ein am Ortsausgang des Nachbarortes Solpke stehender Munitionszug war von zwei amerikanischen Tieffliegern bombardiert worden und dabei explodiert. Dadurch war die Bahnstrecke blockiert.

 

Insgesamt standen nun 54 Güterwaggons auf dem Miester Bahnhof, in denen etwa 1.800 bis 2.000 KZ-Häftlinge eingesperrt waren. Die Häftlinge waren in einem erbärmlichen Zustand. Schon seit Tagen hatten sie weder Essen noch Trinken erhalten. Viele waren bereits gestorben, als in Mieste die Türen der Güterwaggon geöffnet wurden.

 

Als der Transportführer der SS-Begleitkommandos Brauny am Vormittag des 11. April 1945 erfuhr, dass amerikanische Panzerspitzen gerade einmal dreizehn Kilometer nördlich von Mieste waren, gab er den Befehl mit den Häftlingen das Bahnhofsareal zu verlassen. Diese Todesmärsche führten auf verschiedenen Routen bis nach Gardelegen. Eine der Marschkolonnen kam durch die Ortslage Breitenfeld. Die Angehörigen der SS-Begleitkommandos erschossen dabei Häftlinge oder prügelten sie zu Tode.

 

Überall entlang der Marschrouten fand man ermordete Häftlinge. Teils wurden sie von den Nachkommandos verscharrt, teils blieben sie offen liegen. Im Bereich Breitenfeld wurden insgesamt 20 ermordete KZ-Häftlinge entdeckt, die dann auf dem Ortsfriedhof in 20 Einzelgräbern bestattet wurden.

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