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Negativrekorde bei der Unterrichtsversorgung erfordern mehr Ausbildung

Die Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr ist weiter im freien Fall und erreicht im sechsten Jahr in Folge neue Negativrekorde. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage 7/3203 zur Erhebung der Unterrichtsversorgung auf der Grundlage jährlichen Unterrichtsstatistik hervor. Zu den Konsequenzen und der Blockade des Wissenschaftsministers beim dringend notwendigen Ausbau der Lehrerausbildung in Halle und in Magdeburg erklärt vor diesem Hintergrund der Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

„Bildungsminister Tullner trägt mit seiner Personalpolitik die Verantwortung dafür, dass der aktive Lehrkräftebestand trotz steigender Schülerzahlen sinkt. Er liegt heute um mehr als 100 Lehrkräfte niedriger als bei seinem Amtsantritt am Ende des Schuljahres 2015/16*. Es gelingt ihm nicht, das Ausschreibungs- und Bewerbungssystem in den Schulbehörden auf die neuen Anforderungen einzustellen und flexibel auf die Bewerbersituation zu reagieren.

Vor dem Hintergrund der sich ständig weiter verschärfenden Situation bei der Unterrichtsversorgung ist es aber auch völlig unverständlich, dass Wissenschaftsminister Willingmann den weiterhin dringend gebotenen Ausbau der Lehrerausbildung in Halle und Magdeburg ohne nachvollziehbare Gründe blockiert. Damit trägt auch er eine große Mitverantwortung dafür, dass das von der Landesregierung selbst verschuldete „Tal der Tränen“ noch viel tiefer wird und sich noch bis weit in die dreißiger Jahre hinein ausdehnt.

Die Hoffnung, dass sich der Mangel an Lehrkräften bereits ab der Mitte der zwanziger Jahre durch sinkende Schülerzahlen von ganz alleine auflöst, ist völlig unbegründet. Die hierfür zugrunde gelegten Annahmen sind genauso auf Sand gebaut, wie seinerzeit die Prognosen des früheren SPD-Finanzministers Jens Bullerjahn, die nicht einmal im Ansatz je eingetreten sind und die maßgeblich zu den gegenwärtigen Problemen geführt haben.

Gegen den Lehrermangel hilft längerfristig nur deutlich mehr Ausbildung an unsere eigenen Universitäten. Das muss jetzt geschehen. Deshalb wir die Fraktion Die LINKE in den laufenden Haushaltberatungen beantragen, die derzeit 1.000 Erstsemesterstudienplätze im Lehramtsstudium dauerhaft um weitere 400 aufzustocken und dafür die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen.

Der Lehrkräftemangel an unseren Schulen hat bereits jetzt unvorstellbare Ausmaße angenommen und wird Jahr für Jahr größer. Die tatsächliche Unterrichtsversorgung ist in den letzten Jahren von fast 104 Prozent im Schuljahr 2013/14 inzwischen auf unter 90 Prozent gesunken. Die offizielle Angabe von 96,2 Prozent wird nur dadurch erreicht, dass der Bedarf in den letzten Jahren durch sogenannte „effizienzsteigernde Maßnahmen“ künstlich um ca. 6 Prozentpunkte abgesenkt wurde und die verbliebenen Lehrkräfte im Umfang von 180 Vollzeitstellen oder 1,5 Prozentpunkten Mehrarbeit leisten.

Selbst unter diesen geschönten Bedingungen erreichen nur noch knapp 40% aller öffentlichen Schulen eine Unterrichtsversorgung von offiziell 100 Prozent oder mehr. Das sind vor allem Grundschulen (218 von 447) und Gymnasien (40 von 67). Bei Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen gibt es überhaupt nur noch vereinzelte Schulen, die ihr Unterrichtsangebot vollständig absichern können. Das sind gerade noch 39 von 247 Schulen. Dagegen liegt in diesen Schulformen in 79 Schulen die Unterrichtsversorgung bereits unter 90 Prozent, bei 10 dieser Schulen sogar unter 80 Prozent. Auch in 46 Grundschulen liegt die Unterrichtsversorgung unter 90 Prozent.

Redaktion

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