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Kai Vogel: Es gibt genug Untersuchungen über Lehrerarbeitszeiten

Kai Vogel:

Es gibt genug Untersuchungen über Lehrerarbeitszeiten

 

Ein früherer Ministerpräsident und Bundeskanzler ließ sich im Interview mit einer Schülerzeitung einmal zu der Bemerkung hinreißen: „Ihr wisst doch, was Eure Lehrer für faule Säcke sind!“ Es dürfte kaum ein Zitat aus der an flotten Sprüchen reichen Karriere des Betreffenden gegeben haben, das ihm so nachhaltig auf die Füße gefallen ist wie dieses.

Das Thema ist für populistische Ausfälligkeiten offensichtlich unerschöpflich. So ist mir die Aussage „Halbtagsjob mit Ganztagsbezahlung“ und das Lächeln über die Ferienzeiten vielfach begegnet und gibt nicht im Ansatz den wirklichen Beschäftigungsumfang von Lehrkräften wieder.

In dem Fachbuch „Gerüstet für den Schulalltag“ kommt der Beltz-Verlag auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 52,9 Stunden und unabhängig davon kommt eine Studie aus Baden-Württemberg unter 950 Pädagogen auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden. Ein geeigneter Weg scheint das Lehrerarbeitszeitmodell. Dieses hat in Hamburg nach jahrelangen Protesten und vielen Veränderungen nun endlich eine Akzeptanz erlangt; ob es letztlich der gerechteste Weg ist, wird von vielen sehr unterschiedlich betrachtet.

Die Lehrerarbeitszeit auf dem Papier ist sehr eindeutig geregelt. In Schleswig-Holstein muss eine Lehrkraft an Gymnasien z.B. für eine Vollzeitstelle 25,5 Stunden Unterricht geben. Hier ist noch alles eindeutig, doch es gibt Lehrkräfte, die für jede Unterrichtsstunde eine Stunde Vorbereitung benötigen, andere deutlich weniger, einige führen viele Elterngespräche, andere führen kaum welche. Korrekturen von Klassenarbeiten in einer 5. Klasse sind meist weniger zeitaufwändig als mehrstündige Klausuren in der Oberstufe. Ist die 5. Klasse allerdings mit 31 Schülern beglückt und die 12. Klasse nur mit 16 Personen, wendet sich das Blatt erneut.

Und wenn meine Frau, die Lehrerin ist, beim Einkaufen von Eltern von Schülern angesprochen wird, ist das Arbeitszeit? „Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin“ – diese Textzeile eines Liedes von Reinhard Mey beschreibt den Tagesablauf von Lehrkräften beim Betreten des Schulgeländes bis zum Verlassen des Schulhofes beim Schulschluss vortrefflich.

Die Erkenntnis, dass Lehrkräfte belastet sind, hilft nicht weiter, denn das weiß jeder. Zusätzliche Arbeitszeit wird auf alle Fälle auf die Schulen zukommen, wenn diese ausgefallene Elterngespräche und Tagesausflüge erheben müssten. Dieses wird wirklich nirgends erhoben.

Gerade läuft das neue Unterrichtserfassungssystem PUSH an und noch nicht einmal vor Ende der Testphase will die FDP ein paar neue Erhebungskriterien ergänzen! Die FDP holt mit diesem Antrag die scheinbar ganz große Keule aus der Schublade und will unterbeschäftigten Bildungsforschern Projektmittel dafür zur Verfügung stellen, etwas herauszufinden, was Bildungsforscher in anderen Bundesländern schon x-mal untersucht haben. Denn es wird doch niemand erwarten, dass sich das Problem der unterschiedlichen Belastung in den verschiedenen Unterrichtsfächern in Schleswig-Holstein anders darstellt als in Nordrhein-Westfalen. Dort wurde diese Belastung bereits erhoben.

Es dürfte auch keine besonderen Überraschungen bergen, dass nicht 100 % der zusätzlichen Aufgaben umgesetzt werden können, wenn wir alle wissen, dass wir eine vierstellige Versorgungslücke bei den Lehrerstellen haben. Wir bemühen uns darum, diese Lücke bis zum Ende der Legislaturperiode gegenüber 2012 zu halbieren, aber wir erheben nicht den Anspruch, sie bis dahin restlos geschlossen zu haben.

Die FDP bejammert lautstark, dass die Koalition in die Reform der Lehrerbildung finanzielle Ressourcen investiert, statt sie direkt für die Verbesserung der Unterrichtsversorgung einzusetzen. Sie werden doch nicht annehmen, dass die in Frage kommenden Wissenschaftler eine solche Untersuchung im Ehrenamt durchführen! Mit sechsstelligen Honorar- und Overhead-Kosten müssen wir doch auf jeden Fall rechnen – und das nur, um etwas herauszufinden, was wir vorher auch schon wussten. Wo bleibt denn da die Wirtschaftlichkeitsberechnung nach Landeshaushaltsordnung?

Ich schlage folgendes Verfahren vor: Wir überweisen den Antrag der FDP in den Bildungsausschuss. Dort möge das Ministerium in einer der nächsten Sitzungen darstellen, welche noch halbwegs aktuellen Untersuchungen es über die Lehrerarbeitszeit gibt, wieweit sie auf Schleswig-Holstein anzuwenden sind und inwieweit nicht.

Redaktion

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