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Anke Erdmann: Schule erschwinglich für alle: Das ist das Ziel

Es müssen gar nicht die großen Beträge sein, die zu Stress in Familien führen. Hier noch ein Arbeitsheft für 11,95 Euro, da noch ein Bus- und Eintrittsgeld in Höhe von 6,50 Euro. Aber diese Summen läppern sich eben. Kinderschutzbund, Elternvertretungen und auch die GEW hatten das Thema auf die politische Agenda gebracht. Das war der Anlass, warum wir es genauer wissen wollten und eine Studie erstellen ließen.

 

Inzwischen liegt die Erhebung  vor: Tausend Euro gibt eine Familie bei uns im Durchschnitt pro Kind und Schuljahr aus. Zur Einordnung gehört aber auch, dass wir hier einen sehr breiten Begriff der Lernmittel zu Grunde gelegt haben: Mittagessen, Schreibtisch zu Hause, Nachmittagsbetreuung und Nachhilfe, machen schon mal 350 Euro aus. Und Sportsachen, die viele Kinder und Jugendliche auch in der Freizeit verwenden, sind ebenfalls voll mitgerechnet.

 

Im engeren Sinne bleiben also im Durchschnitt noch immer 600 Euro pro Schuljahr und Kind übrig – auch das noch immer eine echte Stange Geld. Erwähnenswert ist, dass die Faktoren, die die Höhe beeinflussen, weniger mit Schulart und Klassenstufe zu tun haben, sondern dass Unterschiede vor allem auf die Eltern zurückgehen – mit Ausnahme der Ausgaben für Unternehmungen. Hier sind die Daten sehr interessant, denn ob die Eltern erwerbstätig sind, einen Migrationshintergrund haben oder alleinerziehend sind, macht im Durchschnitt keinen Unterschied. Die großen Unterscheide gehen auf die Bildungsabschlüsse der Eltern zurück – ich übersetze das mit dem verfügbaren Familieneinkommen. Hier müssen wir ansetzen!

 

In einer Wissensgesellschaft ist es meiner Meinung nach vertretbar, wenn Eltern auch Geld in die Bildung der Kinder stecken, aber die Mittel dürfen nicht wie eine Hürde wirken, wie ein verdecktes Schulgeld, dass den Druck in den Familien erhöht - das aber passiert vielfach. In vielen Familien führen die kopierten Zettel, mit Hinweisen zu bestimmten Materialien, Büchern, Geld für Unternehmungen und Klassenfahrten, die immer mal wieder in der Postmappe auf dem Küchentisch landen, zu echtem Stress. Oft geht es um ungeplante und auch um unplanbare Ausgaben. Es ist einfach nicht klar, wann für einen Theaterbesuch, eine Lektüre oder einen Ausflug gesammelt wird. Und das macht es für viele Familien schwierig.

 

Aber diese Kosten, die während des Schuljahres anfallen, haben zwei Seiten. Die eine ist die Belastung und der Stress in vielen Familien. Auf der anderen Seite zeigt es, dass Lernen vielfach mit Schule, aber außerhalb von Schulen stattfindet. Und mal ehrlich: Wer erinnert sich nicht eindringlicher an Museumsbesuche, an Klassenfahrten und all die Lernerfahrungen außerhalb des Schulgeländes? Außerdem wollen wir alle, dass in Schulen stärker mit digitalen Medien gearbeitet wird – was aber bedeutet der „Bring-your-own-device-Ansatz“ für die Lernmittel? In der detaillierten Übersicht taucht das Thema nicht auf.

 

Nun ist es interessant, dass wir auf Landesebene über das Thema diskutieren. Von der Bedeutung her ist es angemessen, denn einerseits sprechen wir über freien Zugang zu Bildung und Familienfreundlichkeit. Angesiedelt ist das Thema Lernmittel aber von der Zuständigkeit bei den Schulträgern. Genauso wie die Frage nach den Fahrtkosten auf Kreiseben geregelt wird – hier fallen durchschnittlich hundert Euro pro Schuljahr an. Wir wissen aber wie stark die regionale Spreizung in dieser Frage ausfällt. Und auch die Erhebung in Tabelle sechs macht deutlich, wie sehr sich die Ausgaben bei den Schulträgern für Lernmittel unterscheiden. 50 Prozent der Schulträger geben nicht mehr als 60 Euro pro Jahr aus. Insgesamt ist die Spannbreite von 36 Euro bis zu 590 Euro. 

 

Dabei stehen wir bei den Lernmittelkosten im Bundesvergleich gar nicht so schlecht. Auch hier gibt es eine große Spreizung: Während in vielen Bundesländern beim Kauf oder dem Leihen von Schulbüchern anteilig zur Kasse gebeten wird, hat Baden-Württemberg eine weitgehende Lernmittelfreiheit umgesetzt. Hier werden auch Verbrauchsmaterialien etc. übernommen.

 

Wir sollten in an einem Runden Tisch über Konsequenzen sprechen, gemeinsam mit Elternvertretungen und Kinderschutzbund, Lehrerverbänden und kommunaler Familie.

 

Wir sollten auch über mögliche Stellschrauben sprechen: 

Mit den Schulträgern und Kreisen gemeinsam Möglichkeiten finden, damit für Familien mit kleinem Geldbeutel – vielleicht aus bestehenden Mitteln – unbürokratische Lösungen gefunden werden könnten. Ein Fonds, von vielen Seiten gespeist, bei denen Schulen leicht Unterstützung bekommen. Und auch die Kiel-Karte ist ein super Beispiel, wie das Bildungs- und Teilhabepakte sinnvoll und zielgenau umgesetzt werden kann, ohne dass unnötige Hürden entstehen: Klassenfahrten, Ausflüge, Zuschüsse zum Mittagessen, ein Teil der Schulmaterialien wird schon heute für Kinder aus Familien ohne eigenes Einkommen bezahlt.


Einige Schulen schaffen bereits Materialien gemeinsam an, um Kosten zu senken und die Kinder immer arbeitsfähig in der Schule zu haben. Dafür zahlen Eltern pauschale Beiträge – Ausnahmeregelungen sind so einfach zu regeln. So entfällt für die Eltern das Gerenne von A nach B, die Arbeitsfähigkeit der Kinder ist gesichert. Aber eine solche Entscheidung kann nur eine Schule selber treffen, denn das bedeutet mehr Aufwand. Ebenfalls sollte über Höchst- oder Leitbeträge gesprochen werden: Was muss sein, was kann sein? Wie viel darf für Ausflüge und Klassenfahrten ausgegeben werden, etc.?

 

Die Potentiale durch „Open Educational Resources“ und mögliche Einsparungen an Lernmitteln und Büchern  sollten in einer solchen Runde beleuchtet werden. Ebenso wie die Frage, wie die digitalen Lernmittel finanziert werden sollen.  

 

Hier gibt es keine einfache Lösung. Aber wir sind gefragt – auf allen Ebenen – wie wir hier vorankommen. Schule erschwinglich für alle: Das ist das Ziel!

 

Redaktion

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